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Stellungnahme zur Abwahl

06.05.2026 – Am 29. April erlebte der Stadtrat von Oelsnitz/Vogtl. eine der bemerkenswertesten Sitzungen der vergangenen Jahrzehnte. Zuschauer im dreistelligen Bereich kamen ins Rathaus und sorgten dafür, dass der Ratssaal samt großem Foyer aus allen Nähten platzte und sich somit eine beispiellose Kulisse bot.

Anlass dafür war der Abwahlantrag der CDU-Fraktion gegen unseren Fraktionsvorsitzenden Björn Fläschendräger in dessen Funktion als 1. ehrenamtlicher Stellvertreter des Oberbürgermeisters, welche eine Vielzahl an Bürgerinnen und Bürgern äußerst kritisch sehen.

Hierzu äußert sich Björn Fläschendräger wie folgt:

 

„Liebe Oelsnitzerinnen und Oelsnitzer,

heute vor einer Woche hat der Stadtrat unserer Stadt mehrheitlich meine vorzeitige Abwahl als 1. Stellvertreter des Oberbürgermeisters beschlossen. Grundlage hierfür war ein Antrag der CDU-Stadtratsfraktion gemäß der Sächsischen Gemeindeordnung, welcher keiner Begründung bedarf und lediglich die Zustimmung der Mehrheit aller Stimmen erfordert. 

Diesen demokratisch legitimierten Vorgang erkenne ich an. Gleichwohl erscheint mir die Art und Weise des Zustandekommens dieses Antrags sehr fraglich. Politische Entscheidungen können formal korrekt sein – sind damit jedoch nicht automatisch redlich.

Gestatten Sie mir einen kurzen Rückblick: In der konstituierenden Sitzung des neu gewählten Stadtrates nach der Kommunalwahl 2024 wurde ich am 21. August 2024 mit 12 zu 10 Stimmen gegen Sabine Albert (CDU) in das Amt des 1. Stellvertreters des Oberbürgermeisters gewählt. Dieses wichtige Ehrenamt habe ich seither mit großem Verantwortungsbewusstsein, mit Respekt vor der Aufgabe sowie in tiefer Verbundenheit zu unserer Stadt ausgeübt. Es war mir stets eine besondere Ehre, Oelsnitz/Vogtl. – meine Heimatstadt, in welcher ich geboren wurde – bei zahlreichen Anlässen repräsentieren zu dürfen.

Im Vorfeld der Oberbürgermeisterwahl stellte sich natürlich auch für mich die Frage hinsichtlich einer möglichen Kandidatur. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger haben dies an mich herangetragen. Nach sorgfältiger Abwägung bin ich jedoch zu der Überzeugung gelangt, dass es dem politischen Anstand widerspräche, als amtierender Stellvertreter den Oberbürgermeister herauszufordern. Entsprechend habe ich mich bewusst gegen eine Kandidatur entschieden. 

Aufgrund der Tatsache, dass sich unsere Wählervereinigung entschied, Silke Jahn im Wahlkampf zu unterstützen, habe ich in diesem Kontext öffentlich erklärt, mich im Wahlkampf neutral zu verhalten (siehe BLICK vom 22.01.2026). Diese Neutralität war für mich Ausdruck des Respekts gegenüber dem Amt des 1. Stellvertreters sowie Voraussetzung für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem künftigen Amtsinhaber. Folgerichtig habe ich keinen der Kandidaten öffentlich unterstützt.

Nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses am 22. März war es für mich selbstverständlich, der neugewählten Oberbürgermeisterin zu gratulieren und ihr meine konstruktive Zusammenarbeit anzubieten.

Vor diesem Hintergrund wirft es Fragen auf, dass die CDU-Fraktion am 13. April – nur 3 Wochen nach der Oberbürgermeisterwahl – einen Abwahlantrag ohne Begründung einbrachte. Erst nach deutlichen Reaktionen aus der Bürgerschaft wurde am 27. April eine nachträgliche Begründung über die Medien verbreitet. Dies geschah jedoch nicht von der CDU-Stadtratsfraktion selbst, sondern von der Vorsitzenden des CDU-Stadtverbandes, der Lebensgefährtin des abgewählten Oberbürgermeisters. Der Mailverkehr liegt uns dazu vor.

Dieses Vorgehen halte ich persönlich für unredlich. Von den gegen mich erhobenen Vorwürfen habe ich ausschließlich durch Vertreter von Presse und Rundfunk Kenntnis erlangt. Kritisch sehe ich in diesem Zusammenhang die Rolle mancher Medien, insbesondere die eines regionalen Radiosenders, welcher über mehrere Stunden die Gründe nicht als „vermeintlich“ oder „angeblich“, sondern als Tatsache vermeldet hat. Erst auf einen Anruf unserer Fraktion hin wurde am Nachmittag die Meldung relativiert. 

Weitergehend werde ich mich dazu nicht äußern, da ich mich nach Auswertung aller Tatsachen dazu entschlossen habe, dies auf dem Rechtsweg zu klären. Auch wenn dieser Weg langwierig sein mag, entspricht er meinem Verständnis nicht nur den Vorwürfen zu widersprechen, sondern dies gerichtlich und damit sauber und transparent feststellen zu lassen.

Dass zudem einen Tag nach meiner Abwahl öffentlich wurde, dass Einspruch gegen das Ergebnis der Oberbürgermeisterwahl bei der Kommunalaufsicht eingelegt wurde, fügt sich aus meiner Sicht in ein Gesamtbild, das nicht nur Fragen hinsichtlich der zeitlichen Abfolge aufwirft, sondern ein klares Muster erkennen lässt.
Ich möchte ausdrücklich betonen, dass ich mein Amt jederzeit nach bestem Wissen und Gewissen ausgeübt und mir in diesem Zusammenhang nichts vorzuwerfen habe.
Von zentraler Bedeutung ist es nun, unsere neugewählte Oberbürgermeisterin in ihrer verantwortungsvollen Aufgabe zu unterstützen. Sie sieht sich zu Beginn ihrer Amtszeit erheblichen Herausforderungen gegenüber, die insbesondere im Rahmen der anstehenden Haushaltsberatungen deutlich werden dürften. Auf diese Entwicklungen habe ich bereits im vergangenen Jahr (Artikel der Freien Presse am 13.09.2025) hingewiesen.

In diesem Sinne werde ich mich auch künftig mit ganzer Kraft für die Belange unserer Stadt einsetzen. Als Fraktionsvorsitzender unserer parteiunabhängigen Wählervereinigung werde ich weiterhin Missstände klar benennen und gemeinsam mit meinen Fraktionskollegen konstruktive Impulse für die Weiterentwicklung unserer Stadt geben. Ebenso werde ich mich in meiner Funktion als Vorsitzender des Heimatfördervereins weiterhin aktiv für das Gemeinwohl engagieren. Denn die Verbundenheit zur eigenen Heimat bemisst sich nicht an Ämtern oder Titeln, sondern an Haltung, Verantwortung und Tatkraft.

Abschließend gilt mein aufrichtiger Dank all jenen, die mir in den vergangenen Wochen ihr Vertrauen und ihre Unterstützung ausgesprochen haben. Der erfahrene Rückhalt ist für mich von großer Bedeutung. Zugleich ist es ein ermutigendes Zeichen, dass sich viele Bürgerinnen und Bürger verstärkt mit den Vorgängen im Stadtrat und im Rathaus auseinandersetzen und diese kritisch begleiten.

VIELEN DANK – ES WAR MIR EINE EHRE!“



Presseartikel zum Thema:

https://www.freiepresse.de/vogtland/oberes-vogtland/abwahlantrag-gegen-oelsnitzer-vize-ob-sorgt-fuer-heftige-reaktionen-artikel14223690?code=WWMvbXhGVzNhdGM3VE5FUUN1dUlMdz09&ref=gift_link

https://www.freiepresse.de/vogtland/oberes-vogtland/bjoern-flaeschendraeger-als-oelsnitzer-vize-ob-in-emotionsgeladener-sitzung-abgewaehlt-artikel14232292?code=N1F2QjJqODdybzUxL2VPcVQ3bnY2Zz09&ref=gift_link
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